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Collage von GKB-Feldtag in Rotenkamp
Fotos: Krauß

Ackerbau ohne Glyphosat - Alternative Stoppelbearbeitung?

Am 17. Oktober stellte die Gesellschaft für konservierende Bodenbearbeitung e.V. (GKB) im Rahmen des 1. Projektfeldtages im niedersächsischen Rotenkamp das EIP Agri-Projekt – „Smarte UNkraut Kontrolle“ vor. Die Versuchsanlage wird je zur Hälfte mit EU- sowie Landesmitteln gefördert und auf zwei Mitgliedsbetrieben der GKB in Niedersachsen umgesetzt.

Der Feldversuch soll bis 2022 Erkenntnisse liefern, inwieweit der konservierende Ackerbau ohne den Wirkstoff Glyphosat auskommt bzw. welche Alternativen bei der Kontrolle von Ungräsern und Ausfallgetreide vergleichbare Behandlungserfolge liefern. Kurz gefragt: „Welche Verfahren eignen sich, um Unkräuter wirkungsvoll zu unterdrücken?“

Auf der Braunerde des LWB Holger Bese wurden dazu in diesem Frühjahr nach Auswahl einer geeigneten Fläche mit Hilfe von Biomassekarten sowie Bodenscannern (Firma farmblick) sechs Langparzellen angelegt. Die Varianten wurden nach einer ersten Rotation mit Mais wie folgt bearbeitet:

  • (Vergleichs-)Variante A1: chemisch mit Glyphosat
  • Variante B1: mechanisch mit Cross-Cutter-Disc (Väderstad)
  • Variante B2: mechanisch mit Ultraflach-Grubber (Kerner)
  • Variante B3: mechanisch mit Großfederzinkenegge (Köckerling Allrounder)
  • Variante C1: elektro-physikalisch mit Elektroherb (Zasso)
  • Variante D1: biologisch mit Unter-, Beisaat

Glyphosat: Versuch 'Smarte UNkraut Kontrolle' am Anfang

Da der Versuch laut Dr. Jana Epperlein von der GKB derzeit noch am Anfang steht, erhielten die rund 60 Teilnehmer des Projektfeldtages in Rotenkamp vor allem einen Überblick zur Anlage und dem weiteren Verlauf des Projektes.

Demnach werden in den kommenden beiden Jahren unter anderem folgende Parameter untersucht und ausgewertet:

  • Bodenbiologie (SOLVITA und Regenwürmer)
  • Unkrautbonitur (via Drohne und Schätzrahmen)
  • ökotoxikologische Versuche
  • georeferenzierte Bodenproben (Nmin)
  • Bonitur der Hauptkultur sowie Ertragskartierung
  • Feldgefügeansprache

Im Anschluss konnten sich die Besucher des GKB-Feldtages selbst ein Bild des derzeit abgeernteten Versuchs auf der Fläche ‚Franke Weide‘ von Landwirt Bese machen.

LLH-Versuch: Bearbeitungsgeräte als Glyphosat-Alternative

Ergebnisse zu einem bereits abgeschlossenen Feldversuch aus dem Jahr 2018 zum Thema "Stoppelbearbeitung bei Glyphosatverzicht" präsentierte beim Projektfeldtag in Rotenkamp Dr. Marco Schneider vom Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH).

Im Rahmen eines gemeinsamen Feldtages von LLH und GKB wurde dafür ein abgeerntetes Rapsfeld mit unterschiedlicher Technik bearbeitet. Bei dem Versuch wurden acht Bodenbearbeitungsgeräte bezüglich der Beseitigung von Ausfallraps vor Winterweizen miteinander verglichen.

Die Zielstellung an die Hersteller lautete dabei, eine komplette Beseitigung des Ausfallrapses mit möglichst geringer Eingriffsintensität ohne Glyphosat zu erreichen. Neben dem Wirkungsgrad bei der Kernfrage wurden noch die Nmin-Werte auf den Parzellen untersucht (Ausgangswert 77 kg/ha N (64/9/4).

Die Kontrollvariante "Glyphosat" wrude mit Wirkungsgrad (WG): 100 Prozent (%), sowie einem Nmin-Gehalt von 32 kg/ha gemessen.

Versuch zu Glyphosat-Verzicht: Die Ergebnisse in Kürze

  • Schwerstriegel: 3 Bearbeitungsgänge (BG) auf 0-4 cm Tiefe/Nmin: 102 kg/ha/WG: 64 %
  • 3-balkiger Flügelschargrubber: 1 BG auf 15 cm Tiefe/Nmin: 144 kg/ha/WG: 96 %
  • Federzinken Gänsefußschare: 2 BG auf 5-9 cm Tiefe/Nmin: 203 kg/ha/Wirkungsgrad: 100 %
  • Federzinken Normalschar (40 mm): 2 BG auf 5-8 cm Tiefe/Nmin: 148 kg/ha/Wirkungsgrad: 91 %
  • Flachgrubber: 1 BG auf 3-5 cm Tiefe/Nmin: 130 kg/ha/Wirkungsgrad: 85 %
  • Mulcher: keine Bodenbearbeitung/Nmin: 25 kg/ha/Wirkungsgrad: 0-5 %
  • Scheibenegge spezial: 1 BG auf 3-5 cm Tiefe/Nmin: 110 kg/ha/Wirkungsgrad: 92 %
  • Ringschneider: 1 BG auf 8-10 cm Tiefe/Nmin: 101 kg/ha/Wirkungsgrad: 99 %

Als Fazit erklärte Dr. Schneider bei einem wahrscheinlichen Aus für den Wirkstoff Glyphosat, dass bei der mechanischen Unkrautbekämpfung auf der Stoppel künftig jede Situation (Wurzelunkräuter oder Ausfallraps, trockenes Wetter oder feuchter Boden, etc.) ein anderes Gerät erfordere, was zu steigenden Kosten führen werde.

Ebenso werde aus Sicht Schneiders das Zeitfenster für einen optimalen Bekämpfungserfolg – je nach Gerät – künftig enger werden. Schneider gab zu Bedenken, dass der Pflug deshalb wohl auf manchen Flächen eine „Renaissance“ erleben werde, die daraus resultierenden Probleme wie Bodenerosion, mangelnde -biodiversität sowie Wassereffizienz jedoch in der öffentlichen Bewertung derzeit keinen Widerhall fänden.

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