. Redaktion

Saatkombi von Einböck
Werkbild

Kann die Landwirtschaft ohne Glyphosat auskommen?

Kann die Landwirtschaft ohne Glyphosat oder andere Herbizide auskommen? Ist der Fokus auf die „Unkrautbekämpfung“ der richtige und einzige Ansatz, um sich diesem Thema zu nähern?

Oder sollte die eigentliche Frage lauten: Wie können wir ein Agrar(öko)system gestalten, dessen Maßnahmen zur Unkrautbekämpfung nicht nur die Ernährungssicherheit gewährleisten, sondern auch wertvolle Lebensmittel produzieren und gleichzeitig die Gesundheit von Mensch und Umwelt schützen?

Lernen mit dem Unkrautdruck umzugehen

Auch schon vor der Einführung von Glyphosat gelang es den Landwirten, mit dem bestehenden Unkrautdruck umzugehen, so wie es heute Biobauern auf der ganzen Welt noch tun. Erfolgreiche, nachhaltige Unkrautmanagementsysteme wenden Kombinationen mehrerer Techniken an und verlassen sich nicht nur auf eine Methode.

Sie müssen die biologischen und ökologischen Eigenschaften von Unkräutern berücksichtigen und verstehen, wie ihr Vorhandensein durch landwirtschaftliche Praktiken beeinflusst werden kann. Diese lassen sich in vier Kategorien einteilen:

  1. präventive und kulturelle agronomische Praktiken, d. h. Maßnahmen zur Reduzierung der Unkrautkeimung,
  2. Überwachung, d. h. Beobachtung und Identifizierung während der gesamten Entwicklung,
  3. physikalische Kontrolle, d. h. mechanisch oder thermisch sowie
  4. biologische Kontrolle, d. h. durch ausgewählte Kulturen oder Weidetiere.

Unkräuter oder Beikräuter?

Im ökologischen Landbau erfolgt die Unkrautbekämpfung ohne den Einsatz von chemischen Herbiziden. Ziel ist es, die Unkrautpopulationen auf einem überschaubaren Niveau zu halten, da Unkräuter durch die Bereitstellung der biologischen Vielfalt und der Unterstützung von Ökosystemdienstleistungen auch eine positive Rolle spielen. So bieten sie beispielsweise Pollen, Nektar, Samen und Lebensraum für Nützlinge, die wiederum die Bestäubung der Pflanzen verbessern. Sie bedecken den nackten Boden auch nach einer Ernte und halten durch ihre Wurzelexsudate aus Zucker und Proteinen die Gemeinschaften der nützlichen Bodenmikroorganismen am Leben.

Es geht also nicht darum, Unkräuter ganz zu beseitigen, sondern sie, unter Berücksichtigung deren Nutzens für den Boden und die Umwelt, auf einem tolerierbaren Niveau zu halten, damit sie die Ernte des Landwirts kaum beeinflussen. Dabei kann die „ökologische Nische“, welche das Unkraut ausfüllt, auch durch ausgewählte Pflanzen besetzt werden, die sich in Form von Zwischenfrüchten, Untersaaten oder Mischkulturen leichter in den Pflanzenbau integrieren lassen. Sie erfüllen dabei die gleichen Funktionen (Bodenbedeckung, Steigerung der Bodenfruchtbarkeit, Ernährung des Bodenlebens) wie die Unkräuter.

. Redaktion

Zurück