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Strohballen auf Acker abfahren
M. Schindler/LWK NIedersachsen

Getreideernte: Stroh verkaufen oder auf dem Acker lassen?

Die Preise für Getreide und Raps sind in den vergangenen Wochen rasant gestiegen, der Dieselpreis hat sich etwa verdoppelt und die Stickstoffdünger-Preise haben sich verdreifacht, wenn man überhaupt noch welchen bekam. Soll der Landwirt jetzt noch durch den Strohverkauf plötzlich sehr wertvolle Nährstoffe abgeben?

Eingriffe in natürliche Kreisläufe lösen Anpassungsprozesse aus, darauf ist – am besten vorausschauend – zu reagieren. Bei Abfuhr von Getreidekorn, Kartoffeln, Raps oder Rüben ist sofort klar: Werden dem Bodenvorrat über die bedarfsgerechte Düngung hinaus Nährstoffe entzogen, sind diese möglichst zeitnah (= zur nächsten Kultur) zurückzuführen, um das natürliche Gleichgewicht möglichst wenig zu stören und das Ertragspotenzial nachhaltig zu sichern. Dies gilt auch für die Strohabfuhr. Ferner ist zu überlegen, was die Entnahme von Stroh aus dem Kreislauf sonst noch bewirken kann.

Vor- und Nachteile des Strohverkaufs

Vorteile des Strohverkaufs:

  • In Veredelungsregionen kann mehr Wirtschaftsdünger ausgebracht werden, wenn der Ertrag oder der N- bzw. P-Bedarf begrenzend sind.
  • Verzicht auf Strohhäckseln beim Mähdrusch
  • bessere Bestandsentwicklung bei Raps im Herbst (geringere „N-Sperre“ durch Strohrotte)
  • Einsparung von Fungiziden und Ausbringung aufgrund geringeren Infektionsdrucks in getreidebetonten Fruchtfolgen
  • Ausgleich der Humusbilanz in getreide- und rapsbetonten Fruchtfolgen
  • Reduzierung des Einarbeitungsaufwands

Nachteile des Strohverkaufs:

  • In vieharmen Regionen wird ein Nährstoffausgleich i. d. R. durch mineralische Düngung erforderlich.
  • zusätzliche Maschinenkosten durch Bergung
  • Bergung erhöht das Risiko durch zusätzliche wetterabhängige Arbeitsbelastungen
  • bei Tausch „Stroh gegen Mist/Gülle“ entsteht ein höheres Unkrautrisiko durch „Einschleppen“ zusätzlicher Unkrautsamen.
  • negativer Effekt auf die Humusbilanz in hackfruchtbetonten Fruchtfolgen keine Verbesserung der Bodenstruktur
  • lange Lagerung in Feldrandmieten reduziert eventuell die prämienfähige Fläche

Ist der Strohpreis kostendeckend?

In den zugänglichen Marktberichten der Wochenblätter findet sich öfter auch mal ein Marktpreis für Stroh, der für die eigene Bepreisung genutzt werden kann. Soll der Verkauf aber wirtschaftlich sein, ist immer eine individuelle Kostenanalyse erforderlich. Jeder muss für sich selbst ehrlich prüfen, welche Effekte in seiner betrieblichen Situation relevant sind und  wie sie sich auswirken.

Wird z. B. Weizenstroh verkauft und Weizen nachgebaut, also die derzeit noch (der Fruchtwechseldruck der EU steigt deutlich) übliche Fruchtfolge der sehr guten Standorte praktiziert, kann die Strohabfuhr den Pilzdruck im nachfolgenden Weizen reduzieren und beim Fungizideinsatz gespart werden. Noch interessanter wird die Strohabfuhr vor Kulturen mit deutlichem N-Bedarf im Herbst, wenn eine N-Düngung nicht möglich ist und das verbleibende Stroh eine starke Nutzungskonkurrenz um die im Herbst verfügbaren Stickstoffmengen im Boden entfaltet.

Stroh abgeben: Viehstarke Regionen sind im Vorteil

Durch Strohverkauf steigt die Nährstoffabfuhr von der Fläche. Wenn in schweinehaltenden Betrieben der N- oder insbesondere der P2O5-Bedarf begrenzend wirken, kann bei Strohabfuhr mehr Wirtschaftsdünger ausgebracht werden. Faustzahl hier: 1,05 m³ Mastschweinegülle als Nährstoffausgleich pro Tonne abgefahrenes Stroh. Um den „Standard“-Wert an diese Situationen anzupassen, sind drei Rechenschritte erforderlich.

Es fallen zusätzliche Ausbringungskosten für die höhere Güllemenge an: Bei 4,47 € / m³ Gülle und 5,26 m² Gülle pro Hektar sind dies 23,54 Euro / ha. Ferner werden mit der Gülle Nährstoffe im Wert von 84,16 Euro / ha zugeführt (15,99 Euro / m³), der Betrag ist abzuziehen. Da ein gewisser „Rest“ beim Düngebedarf verbleibt (insbesondere K2O), wird der Arbeitsgang der Mineraldüngerausbringung nicht gestrichen. Außerdem müssen die zusätzlich ausgebrachten Güllemengen nicht mehr abgegeben werden, so dass bei Abgabekosten von (geschätzten) 6,50 Euro / m³ somit weitere 34,21 Euro / ha eingespart werden.

  • Dies ist ein Ausschnitt aus dem Fachbeitrag "Wirtschaftlichkeitsanalyse des Strohverkaufs - Düngewert von Stroh steigt", erschienen in der LOP Juni 2022, indem Dr. Mathias Schindler von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen ausführlich und mit zahlreichen Rechenbeispielen auf das Thema eingeht.
  • Hier können Sie einen Blick in die Ausgabe Juni 2022 werfen.

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