. Hermann Krauss

Hülsen der weißen Lupine
Werkbild

Weiße Lupine: Die neue Eiweißkönigin

Die Weiße Lupine (Lupinus albus) liefert einen höheren Rohproteinertrag als Erbsen oder Ackerbohnen und gilt damit landläufig als Eiweißkönigin unter den heimischen Leguminosen. In den 90er Jahren kam allerdings das Ungemach in Form eines Pilzes über das Reich der „protein queen“. Die zu den Schlauchpilzen zählende Anthraknose (Colletotrichum lupini) trat ab 1995 erst regional, dann flächendeckend auf und brachte in der Folge den Anbau der Weißen sowie der Gelben Lupine in Deutschland fast vollständig zum Erliegen.

Pflanzenzüchter der Landwirtschaftlichen Lehranstalt (LLA) im mittelfränkischen Triesdorf prüften bereits ab 2001 Genbankmaterial aus aller Welt, um einen eigenen Genpool für Lupinus albus mit einer Resistenz gegenüber der Anthraknose aufzubauen. 2019 zahlte sich die fast 20jährige Züchtungsarbeit schließlich aus: im Februar erhielt die Sorte Frieda, im Dezember die Sorte Celina die offizielle Zulassung durch das Bundessortenamt (beide DSV). Ebenfalls im Jahr 2019 zugelassen wurde die Sorte Victor Baer (I. G. Pflanzenzucht).

Die Nachfrage ist laut DSV-Vertriebsmanager Oliver Wellie- Stephan „riesig“. „Unser Z-Saatgut war schon nach kurzer Zeit ausverkauft. Wir hätten aber deutlich mehr Saatgut verkaufen können“, sagt er. Das Anbaupotenzial schätzt Wellie- Stephan in den nächsten drei Jahren auf bis zu 20.000 Hektar.

Lupine mit guter Vorfruchtwirkung

Das Wurzelwerk der Weißen Lupine wartet mit mehreren Aspekten auf:

  • Mit ihren Knöllchenbakterien (Bradyrhizobium lupini) bindet die großkörnige Leguminose symbiontisch Luftstickstoff.
  • Über ihre Proteidwurzeln kann sie Zitronensäure ausscheiden und so auf P-armen Böden gebundenes Phosphat aufschließen.
  • Durch ihre lange Pfahlwurzel erreicht sie Nährstoffe und Wasser auch in tieferen Bodenschichten und hinterlässt eine gute Bodengare.

Als Sommerung lockert sie zudem wintergetreidelastige Fruchtfolgen auf und kann damit helfen, Herbizidresistenzen vorzubeugen.

Lupine als Alternative zu Sojabohne

Mit ihrem hohen Proteingehalt verfügt die Weiße Lupine über großes Potenzial nicht nur für die tierische, sondern auch für die menschliche Ernährung. Als klimaangepasste Eiweißpflanze ist sie damit vor allem eine Alternative zur Sojabohne. Im Gegensatz zu Soja kann die Weiße Lupine in fast allen Ackerbauregionen Deutschlands angebaut werden, auch an der Küste oder in den Mittelgebirgslagen.

Durch das große Interesse der Praxis ist das Saatgut für die aktuelle Saison jedoch kaum noch verfügbar, für die folgenden Jahre ist aber eine ausreichende Versorgung zu erwarten.

. Hermann Krauss

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